Am Samstag bot die Stadionsporthalle in Renningen den Rahmen für einen sportlich wie emotional aufgeladenen Wettkampftag der WTG Heckengäu. Trotz widriger Voraussetzungen und zahlreicher Ausfälle blieb die ersatzgeschwächte WTG II in der Verbandsliga chancenlos und rutschte nach der deutlichen Niederlage gegen das TurnTeam Staufen auf den vorletzten Tabellenplatz ab. Ganz anders die WTG III: Das junge Bezirksligateam feierte vor heimischem Publikum seinen lang ersehnten ersten Saisonsieg. Zwei Wettkämpfe, die unterschiedlicher kaum hätten verlaufen können – geprägt von Improvisation, Kampfgeist und überraschenden Wendungen.
Es waren keine guten Voraussetzungen für das Trainerteam der WTG Heckengäu. Für den vorletzten Wettkampftag der Verbandsligasaison musste das Team mit Kapitän Julius Hottmann, Tim Berger (Verletzungen) und Peter Knemeyer (berufliche Verpflichtung) gleich auf zwei Topscorer verzichten. Kurzerhand aktivierte der sportliche Leiter der WTG, Nick Ackermann, den Heckengäuer Felix Heisenberg, der studienbedingt eigentlich in München wohnhaft ist und für die Saison nicht eingeplant war. Zusätzlich erhielt die WTG II Unterstützung von den badischen Turnfreunden der KTG Bodensee, die Alexandru Hangu, Simon Schwimmer und Julian Pettermann entsendeten. Deren Liga war nämlich schon beendet.
Doch bereits am Boden zeigte sich, dass das ambitionierte gegnerische Team aus Süßen, das bis zum Zeitpunkt des Aufeinandertreffens nur einen Saisonwettkampf gewinnen konnte, hier nicht kleinbei geben würde. Mit starken 11:0 legten sie die Schwäche der fehlenden WTG-Turner offen, obwohl Heckengäus Luis Weiß (13,05 Punkte) und auch Gastturner Alexandru Hangu (12,50 Punkte) durchaus konkurrenzfähige Kürübungen im Angebot hatten. Der Rest konnte gegen die in der Ausführung deutlich wertvolleren Übungen der Staufener nicht standhalten.
Das Pauschenpferd ging hingegen etwas knapper aus. Nur ein Scorepunkt fehlte der WTG am Ende zum Unentschieden. Unglücklich war der Sturz von Yannick Kellenberger, der nur 7,45 Punkte brachte und seinem Gegner aus Süßen, Johannes Hesse, fünf Scorepunkte einbrachte. Die Misere vom Boden drohte sich an den Ringen zu wiederholen. Hier gelang es nur Nick Ackermann zu punkten. Es reichte zum einzigen Scorepunkt für seine Mannschaft, während die Gäste fleißig insgesamt elf Zähler einstrichen. Ein Aufholen war sehr unrealistisch geworden. WTG-Gastturner Simon Schwimmer holte am Sprung zwei Scorepunkte, der insgesamt fünf Zähler. Staufen lieferte auch am vierten Gerät ab und baute seine Führung dank neun weiterer Punkte klar aus. Doch am Barren, dem vorletzten Gerät, gewann die WTG das erste und einzige Mal mit 8:3 Punkten. Gastturner Alexandru Hangu steuerte fünf und Ackermann drei Zähler bei. Aber auch Yannick Kellenberger und Max Eisele mussten sich hier nicht verstecken. Schlussendlich waren ihre Herausforderer aber zu stark, um weitere Punkte zu holen.
Am abschließenden Reck wurde es noch einmal eng. Der Gastturner Julian Pettermann und Ackermann erkämpften beide vier Scorepunkte. Der Wahl-Münchner Felix Heisenberg und Kellenberger gingen zum Abschluss beide leer aus. Das TurnTeam Staufen I erzielte mit 52:29 ein sehr souveränes Ergebnis und hat nun, ebenso wie die WTG, zwei gewonnene Partien in dieser Saison vorzuweisen. Durch den direkten Vergleich rutscht die WTG II nun auf den vorletzten Tabellenplatz ab. Leider ist derzeit nicht absehbar, ob sich die Personalsituation bei der Verbandsligariege bis zum kommenden Wochenende verbessern wird. Der sportliche Leiter hat in Absprache mit dem Trainerteam deshalb den letzten regulären Vorrundenwettkampf gegen den TSV Lustnau bereits abgesagt. Somit geht die WTG II voraussichtlich mindestens als Tabellenvorletzter ins Ligafinale, das die Rückrunde darstellt.

Erster Saisonsieg für WTG III
Für die WTG III war es der vorletzte Wettkampftag in der Bezirksligasaison 2026. Bisher noch ohne Sieg, machte sich das junge Team, mit Blick auf die Gäste vom TV Beffendorf, ernsthafte Hoffnungen auf den ersten Saisonerfolg. Zunächst begann der Wettkampf am Sprung vielversprechend. Micha Reutter und Oliver Rupf lieferten die beiden besten Sprünge des Tages ab und gaben den 0,7 Punkte-Unterschied zum Gewinn des ersten Gerätes. Wie gewonnen, so zerronnen, dachte sich so mancher Zuschauer, in der Renninger Stadionsporthalle. Denn am darauffolgenden Barren verlor die Heimmannschaft um 0,5 Punkte. Dennoch war die Leistung der WTG-Dritten hier auf hohem Niveau. Hervorzuheben ist Benedikt Schuler, der der Mannschaft seit diesem Wettkampf wieder zur Verfügung steht. Er steuerte elf Zähler bei. Eigentlich weilt der Routinier seit einigen Monaten studienbedingt in Freiburg im Breisgau.
Doch die Gäste aus Beffendorf im Schwarzwald ließen nicht locker. Sie gaben auch am Reck kräftig Kontra und gewannen auch dieses Gerät mit einem sehenswerten Vorsprung von über drei Punkten. Die beste Kür auf Seiten der WTG lieferte Kapitän Matti Sabir. Das Team der Gemeinschaftsriege zeigte am darauffolgenden Boden aber Nervenstärke. Oliver Rupf (13,05) und Tim Abek (12,25) wuchsen hier über sich hinaus. Beide Küren gingen ohne Schrittfehler, mit Bonus belohnt, zu Ende – mit Tageshöchstwertung. Am Pauschenpferd erturnten Reutter und Schuler beide genau 9,85 Punkte. Doch Beffendorfs Gabriel Schneider lieferte mit 11,7 Punkten die Tageshöchstwertung und damit den Gerätesieg mit knappem Vorsprung.
Das Team der Gemeinschaftsriege ließ nun nichts mehr anbrennen. Souverän meisterten sie die Ringe. Jannis Zengerling trug hier mit einer der saubersten vorgetragenen Küren wichtige Punkte bei. Mit 44,65 : 41,00 war das Geräteergebnis deutlich und der Gesamtpunktestand mit 247,3 : 242,3 ebenfalls. Für die WTG III geht es am kommenden Samstag zum letzten regulären Saisonwettkampf zur SV Böblingen (16:00; Justinus-Kerner-Schule). Der Tabellenführer wird es dem Team der Gemeinschaftsriege nicht leicht machen. Vielleicht gelingt der WTG III aber eine Überraschung.

