Drei Wettkämpfe, drei Siege. Die WTG Heckengäu bleibt in der 3. Bundesliga Süd auf Erfolgskurs. Gegen den bislang ebenfalls stark gestarteten TV Bühl setzte sich die Mannschaft am Samstag in der Stadionsporthalle Renningen mit 35:27 durch und verbesserte sich damit auf den zweiten Tabellenplatz. Doch der Endstand erzählt nur die halbe Geschichte. Denn aus einem scheinbar ungefährdeten Nachmittag wurde am Reck plötzlich noch einmal ein Nervenkrimi.

Schon am Boden zeigten die Gastgeber, dass sie den Schwung aus den ersten beiden Saisonerfolgen mitgenommen hatten. Die WTG erwischte einen Auftakt nach Maß und setzte sich an dem Gerät mit 9:2 durch. Lediglich der erst 18-jährige Bühler Luc Walterspacher konnte für die Gäste punkten. Auf Seiten der WTG überzeugten vor allem die Spiess-Brüder. Während Lovis Spiess zwei Scorepunkte beisteuerte, holte sein jüngerer Bruder Niccolò Spiess sogar drei. Den größten Beitrag leistete jedoch Kapitän Philipp Lutz, der vier Punkte einfuhr und die Grundlage für den optimalen Start legte. Die Übungen der Heckengäuer waren sauber, kontrolliert und nahezu fehlerfrei.
Auch am Pauschenpferd behielt die WTG die Oberhand. Beim 7:2-Gerätesieg demonstrierten die Gastgeber ihre besondere Stärke an einem Gerät, das in der Deutschen Turnliga häufig über Sieg oder Niederlage entscheidet. Besonders bemerkenswert war dabei die Leistung von Manú Tschur. Der 25-Jährige, dessen Lieblingsgerät der Barren ist, zeigte die höchste WTG-Wertung an diesem Gerät. Gegen den britischen Gastturner George Atkins musste er trotz dessen Sturz zwar Punkte abgeben, hielt den Schaden jedoch in Grenzen. Gemeinsam mit Adrian Dudev und Yannick Kessler sorgte er dafür, dass die WTG bereits auf 16:4 davonzog.
Die Antwort des TV Bühl folgte an den Ringen. Erst im dritten Duell gelang den Heckengäuern überhaupt etwas Zählbares, als ein Unentschieden erreicht wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bühl das Gerät bereits fest im Griff. Lediglich Yannick Kessler, der vor der Saison von der KTV Straubenhardt zur WTG gestoßen war und an Ringen sowie Barren besonders stark ist, stemmte sich gegen den Lauf der Gäste und sicherte vier wichtige Scorepunkte. Trotz des 4:7 an den Ringen blieb die WTG mit einer komfortablen 20:11-Führung zur Pause klar in Front.
Nach der Halbzeitpause setzte die WTG am Sprung die nächsten Glanzpunkte. Vor allem die spektakulären Kasamatsu-Sprünge von Niccolò Spiess und Adrian Dudev sorgten für Szenenapplaus. Beide turnten ihre Sprünge perfekt in den Stand und wurden dafür von den Kampfrichtern mit dem Standbonus belohnt. Gemeinsam sammelten sie sieben Punkte. Zwar musste Luis Weiß, dessen Spezialgerät traditionell der Sprung ist, trotz eines gestreckten Tsukahara drei Zähler an Nick Hofmann abgeben. Dennoch ging das Gerät mit 7:6 an die WTG.
Am Barren schien die Begegnung endgültig entschieden zu werden. Doch der TV Bühl hielt dagegen. George Atkins demonstrierte seine enorme Schwierigkeit und profitierte davon, dass Niccolò Spiess kleine Probleme im Handstand hatte. Vier Punkte gingen deshalb an die Gäste. Auf der anderen Seite zeigte Yannick Kessler erneut seine Klasse. Mit einer hochwertigen Übung und einem sauber ausgeführten Doppelsalto-Abgang sicherte er drei wichtige Scorepunkte. Dennoch gewann Bühl das Gerät knapp mit 4:3 und verkürzte vor dem abschließenden Reck auf 30:21. Neun Punkte Vorsprung. Im Turnliga-Format eigentlich ein komfortables Polster. Doch das Reck kann tückisch sein. Und plötzlich wurde es laut in der Halle.
Walterspacher eröffnete stark für die Gäste, auch Atkins punktete trotz eines Sturzes bei seinem Flugteil. Der Bühler Rückstand schmolz rapide zusammen. Auf einmal stand es nur noch 30:27. Die Erinnerung an manch dramatischen Ligaverlauf lag spürbar in der Luft. Jetzt durfte für die Heckengäuer nichts mehr schiefgehen.
Doch genau in dieser Situation zeigte die Mannschaft ihre gewachsene Reife. Manú Tschur präsentierte einen hoch über dem Holm geturnten gestreckten Tkatchev und beendete seine Übung mit sicherem Strecksalto-Abgang. Zwei weitere Punkte für die WTG. Danach konnte Niccolò Spiess mit deutlich weniger Druck an das Gerät gehen. Der 24-Jährige zeigte unter anderem eine gesprungene ganze Drehung in der Riesenfelge und machte mit drei weiteren Punkten endgültig alles klar. Der 35:27-Heimsieg war perfekt. Entsprechend erleichtert fiel das Fazit von Trainer Andreas Zeile aus: „Wir haben das unnötig spannend gemacht“, sagte er nach der letzten Übung.
Dennoch überwog die Zufriedenheit. Die WTG hat gegen einen starken Gegner bestanden, erneut ihre Breite im Kader bewiesen und sich in der Spitzengruppe der 3. Bundesliga Süd festgesetzt. Besonders erfreulich: Die Punkte verteilten sich über zahlreiche Schultern. Neben den erfahrenen Stützen um Kapitän Philipp Lutz überzeugten erneut die Spiess-Brüder, Adrian Dudev, Manú Tschur und der Neuzugang Yannick Kessler, der an mehreren Geräten zu den entscheidenden Punktesammlern gehörte.
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt allerdings nicht. Bereits am kommenden Samstag, 17. Oktober, steht für die WTG der nächste Heimwettkampf in der Stadionsporthalle Renningen an. Gegner um 16 Uhr ist der USC München, aktuell Tabellenletzter der 3. Bundesliga Süd. Für die Heckengäuer bietet sich damit die Gelegenheit, ihre Erfolgsserie auszubauen, Turnern Wettkampfpraxis zu geben und vielleicht auch die eine oder andere Neuerung unter Wettkampfbedingungen zu testen.
