Ein Sieg mit reichlich Anlauf

Die WTG Heckengäu verschläft am Samstag in der Renninger Stadionsporthalle gegen Drittliganeuling KTG Bodensee den Start komplett. Doch aus einem 0:11 wird noch ein 29:26. Vor allem am Pauschenpferd zeigt die Gemeinschaftsriege, wie viel Erfahrung wert ist.

Es gibt angenehmere Arten, eine Saison zu beginnen. Und ganz sicher hatte sich die WTG Heckengäu ihren Auftakt in der 3. Bundesliga Süd anders vorgestellt. Nach gerade einmal einem Gerät lag die Gemeinschaftsriege in eigener Halle gegen den Aufsteiger KTG Bodensee mit 0:11 zurück. Ein Fehlstart mit Ausrufezeichen. Vielleicht brauchte es aber genau diesen Schreckmoment, um die Heckengäuer wachzurütteln. Denn wer nach dem Boden befürchtet hatte, dass dieser Samstagnachmittag in der Renninger Stadionsporthalle gründlich danebengehen könnte, sah wenig später eine andere WTG. Am Ende stand ein hart erkämpfter 29:26-Erfolg und damit das Wichtigste zum Saisonstart: zwei Tabellenpunkte.

Dabei hatte zunächst kaum etwas funktioniert. Luis Weiß, Niccolo Spiess und Adrian Dudev mussten am Boden Stürze hinnehmen. Die Gäste vom Bodensee nahmen die Geschenke dankend an und machten aus den vier direkten Duellen ein 11:0. Das saß.

Doch dann kam das Pauschenpferd. Und mit ihm die Antwort der WTG. Ausgerechnet an jenem Gerät, an dem schon eine kleine Unsauberkeit eine Übung aus dem Rhythmus bringen kann, spielte die erfahrene Mannschaft ihre Stärke aus. Angeführt von Manú Tschur und Philipp Lutz drehten die Gastgeber den Spieß um: 10:0. Eben noch schien die KTG Bodensee davonzuziehen, plötzlich betrug ihr Vorsprung nur noch einen einzigen Punkt. Jetzt war es ein Wettkampf.

An den Ringen sorgten Florian Ludwig und Kessler mit zwei beziehungsweise vier Scorepunkten dafür, dass die WTG beim 6:4 erstmals nachhaltig Druck aufbaute. Und spätestens am Sprung war vom missratenen Beginn nicht mehr viel zu spüren. Niccolo Spiess punktete mit seinem gestreckten Kasamatsu, anschließend mussten die Gastgeber zwar zwei Zähler abgeben, doch Adrian Dudev und Luis Weiß lieferten nahezu fehlerfreie Beiträge. Das 8:2 brachte die WTG endgültig auf Kurs. Nur: Ruhe wollte an diesem Nachmittag einfach nicht einkehren. Deniz Bulut baute den Vorsprung am Barren zunächst auf 25:17 aus. Wer nun mit einem entspannten Schaulaufen Richtung Heimsieg gerechnet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Die KTG Bodensee gewann das Gerät mit 3:1.

Vor dem Reck hieß es 25:20. Noch war nichts erledigt. Und als Niccolo Spiess im ersten Duell zwei Zähler abgeben musste, war das Polster plötzlich auf drei Punkte zusammengeschrumpft. Dann bewies die WTG, was an diesem Nachmittag vielleicht wichtiger war als perfekte Übungen: Nervenstärke. Dudev und Kessler holten jeweils zwei Scorepunkte und machten den Sieg vorzeitig klar. Dass Tschur zum Abschluss bei seinem spektakulären gestreckten Tkatchev-Flugteil stürzte und vier Punkte abgeben musste, änderte daran nichts mehr.

29:26 stand am Ende zu buche. Ein glanzvoller Saisonstart sieht vermutlich anders aus. Ein wertvoller vielleicht nicht. Die WTG gewann nur drei der sechs Geräte und musste sich ihren Erfolg nach dem 0:11-Schock hart erarbeiten. Gerade darin lag aber die Qualität dieses ersten Auftritts: Die Heckengäuer ließen sich von einem völlig missratenen Beginn nicht aus der Bahn werfen. Mit zwei Tabellenpunkten startet die WTG auf Rang vier der 3. Bundesliga Süd. Schon am Samstag, den 03. Oktober, um 17 Uhr folgt die nächste Aufgabe. Dann geht es zur TG Wangen/Eisenharz ins Allgäu, die ihren Auftakt gegen den TV Bühl mit 31:44 verloren hat. Und am 10. Oktober kehrt die Bundesliga nach Renningen zurück. Um 16 Uhr empfängt die WTG den TV Bühl in der Stadionsporthalle.