Die WTG Heckengäu gewinnt bei der KTV Hohenlohe mit 38:24 und bleibt auch nach dem fünften Wettkampftag der 3. Bundesliga Süd ungeschlagen. Das deutliche Ergebnis täuscht allerdings über einen Nachmittag hinweg, an dem der Favorit lange nach seiner Sicherheit suchte. Erst am Barren und Reck rückten die Kunstturner der Gemeinschaftsriege aus Renningen die Kräfteverhältnisse zurecht.
Wer lediglich das Endergebnis betrachtet, könnte von einem geruhsamen Ausflug der WTG Heckengäu nach Öhringen ausgehen. 38:24 gewonnen, den fünften Sieg im fünften Saisonwettkampf verbucht und den zweiten Tabellenplatz hinter der TG Allgäu gefestigt. Pflicht erfüllt, Heimfahrt angetreten. Doch so einfach war es am Samstag in der Hohenlohe-Sporthalle in Öhringen jedoch nicht. Bis zum fünften Gerät musste die WTG um ihren Erfolg kämpfen. Der Favorit war nicht mit seinem vollständigen Kader zu seinem zweiten Auswärtswettkampf der Saison angereist und geriet gegen einen entschlossenen Tabellenvierten mehrfach ins Stolpern. Die Gastgeber hatten angekündigt, einen perfekten Wettkampf zu benötigen. Perfekt turnten sie nicht. Aber gut genug, um den Heckengäuern lange ein unbehagliches Gefühl zu vermitteln.

Schon der Auftakt am Boden passte nicht zum Selbstverständnis des Tabellenzweiten. Niccolo Spiess war der einzige WTG-Turner, der etwas Zählbares beisteuern konnte. Das Gerät ging mit 4:7 verloren. Statt früh die Rolle des Favoriten zu unterstreichen, lief die WTG zunächst einem Rückstand hinterher. Am Pauschenpferd zeigte die Mannschaft dann, weshalb sie in dieser Saison noch keinen Wettkampf verloren hat. Manú Tschur holte vier Scorepunkte, Kapitän Philipp Lutz steuerte drei bei. Mit dem 9:3 drehten die Gäste das Duell und schienen nun jene Kontrolle zu gewinnen, die man von ihnen erwartet hatte.


An den Ringen machte sich die dünnere Besetzung deutlich bemerkbar. Wieder blieben zu viele Duelle ohne Ertrag, einzig Tschur sammelte mit drei Scorepunkten für die WTG. Hohenlohe gewann das Gerät mit 4:3. Aus der erhofften klaren Angelegenheit war zur Pause ein Wettkampf geworden, in dem sich der Favorit keine weiteren Nachlässigkeiten erlauben durfte. Auch am Sprung fand die WTG zunächst nicht vollständig in die Spur. Adrian Dudev holte einen Punkt, Niccolo Spiess drei. In den übrigen Duellen gingen jedoch sieben Scorepunkte an die Gastgeber. Der Tabellenzweite hatte nach vier Geräten zwar noch alle Möglichkeiten, souverän aber war dieser Auftritt bis dahin nicht.

Vielleicht brauchte es genau diesen Druck. Vielleicht auch die Erkenntnis, dass der fünfte Saisonsieg nicht von allein mit in den Bus steigen würde. Am Barren änderte sich der Wettkampf. Lovis Spiess eröffnete mit drei Scorepunkten, Dudev legte zwei nach und Tschur setzte mit vier Punkten den kräftigsten Akzent. Das 9:3 war mehr als nur ein Gerätesieg. Es war die Wende an diesem Nachmittag. Was anschließend am Reck folgte, war das Meisterstück der WTG. Keine größeren Patzer, keine wackligen Kompromisse, keine Einladung mehr an den Außenseiter. Tschur, Lovis Spiess und Dudev holten jeweils drei Scorepunkte. Drei Duelle, dreimal die volle Ausbeute, 9:0 für die WTG. So wurde aus einem lange offenen Wettkampf doch noch ein deutlicher 38:24-Erfolg.

Der Mann, der die Heckengäuer durch die schwierigen Phasen getragen hatte, hieß Manú Tschur. Mit 14 Scorepunkten wurde er zum zweitbesten Punktesammler des Wettkampfs. Nur Alain Bregenzer von der KTV Hohenlohe lag mit 15 Zählern noch vor ihm. Für die WTG bleibt damit sportlich alles angerichtet. Fünf Wettkämpfe, fünf Siege, Tabellenplatz zwei. Vor ihr steht nur noch die TG Allgäu. Und ausgerechnet diese Mannschaft kommt zum Saisonfinale ins Heckengäu nach Renningen.

Am Samstag, den 7. November 2026, treffen die beiden noch ungeschlagenen Spitzenteams in der Renninger Stadionsporthalle aufeinander. Wettkampfbeginn ist um 16 Uhr. Dann geht es im direkten Duell um die Südmeisterschaft, vor allem aber um die Antwort auf eine Frage, die diese Saison bislang niemand geben konnte: Ist gegen die TG Allgäu tatsächlich kein Kraut gewachsen? Die WTG wird sich gegenüber dem Auftritt in Öhringen steigern müssen. Einen Wettkampf gegen den Tabellenführer kann sie vermutlich nicht erst am fünften Gerät in die richtige Richtung biegen. Dass sie schwierige Nachmittage dennoch gewinnen kann, hat sie in Hohenlohe bewiesen.

