Die WTG ist jetzt im Wettkampfmodus

Die Kunstturner der WTG Heckengäu setzen in der 3. Bundesliga Süd der Deutschen Turnliga ein Ausrufezeichen. Bei der TG Wangen/Eisenharz gewinnt die Gemeinschaftsriege souverän mit 42:18 Scorepunkten, zeigt am Boden die erhoffte Reaktion und kompensiert den Ausfall von vier Stammkräften. Adrian Dudev sichert sich erstmals das Top-Scorer-Trikot.

So viel kann sich innerhalb einer Woche verändern. Sieben Tage zuvor war der Boden für die WTG Heckengäu noch zur Stolperfalle geworden. Nun wurde ausgerechnet das Auftaktgerät zum Startblock für einen überzeugenden Auswärtsauftritt in der 3. Bundesliga Süd. Kein Wackeln. Kein Hinterherlaufen. Keine erneute Aufholjagd. Die Heckengäuer waren in der Wangener Ebnetsporthalle vom ersten Duell an hellwach und bezwangen die TG Wangen/Eisenharz mit 42:18 Scorepunkten. Mit dem zweiten Sieg am zweiten Wettkampftag verbessert sich die WTG vom vierten auf den dritten Tabellenplatz.

Der Unterschied zum Saisonauftakt lag nicht nur im Ergebnis, sondern vor allem in der Art, wie die Mannschaft turnte: konzentriert, entschlossen und frei von jener Unruhe, die sie eine Woche zuvor ausgebremst hatte. Schon am Boden machte die WTG mit ihrem ersten Turner Adrian Dudev deutlich, dass sie nicht noch einmal elf Scorepunkte wie gegen die KTG Bodensee verschenken würde. Die Übungen gelangen, die Duelle wurden gewonnen und der Wettkampf nahm sofort die gewünschte Richtung.

Adrian Dudev zeigte am Boden einen guten Auftritt. Archiv-Foto: Matthias Blasberg

Am Pauschenpferd holten Manú Tschur und Adrian Dudev zusammen vier Scorepunkte. Das reichte in der Geräteabrechnung zwar nur zu einem Unentschieden. Dennoch blieb die WTG stabil und vermied jene Fehler, die an diesem anspruchsvollen Gerät schnell eine ganze Übung kosten können. Auch an den Ringen setzte sich nicht automatisch die größere Schwierigkeit durch. So musste Florian Ludwig drei Zähler abgeben. Die Gastgeber präsentierten teilweise höhere Ausgangswerte, doch die Heckengäuer hielten mit saubererer Ausführung dagegen. Auch Lovis Spiess steuerte drei Scorepunkte bei, sodass die WTG das Gerät mit 5:3 für sich entschied.

Am Pferd eine Bank: Manú Tschur. Archiv-Foto: Matthias Blasberg
Florian Ludwig an den Ringen. Archiv-Foto: Matthias Blasberg

Zur Halbzeit hatte sich die WTG bereits einen klaren Vorsprung erarbeitet. Diesmal musste sie keinem Rückstand hinterherturnen, sondern zwang den Gegner von Beginn an zum Reagieren. Nach der Pause wurde der Abstand noch größer. Die TG Wangen/Eisenharz leistete sich am Sprung Fehler, während die WTG mit besseren Landungen und sauberer Ausführung überzeugte. Besonders eindrucksvoll gelang das Niccolò Spiess. Der 24-Jährige stellte seinen gestreckten Kasamatsu ohne Ausfallschritt in den Stand. Ein Sprung wie mit dem Lineal gezogen. Wo die Gastgeber korrigieren mussten, blieben die Heckengäuer stabil.

Zeigt auch im Einturnen eine gute Figur: Niccolo Spiess. Archiv-Foto: Matthias Blasberg

Vor Barren und Reck war die Begegnung praktisch entschieden. In den Verwaltungsmodus schaltete die WTG trotzdem nicht. Die Turner gaben sich auch an den letzten beiden Geräten keine Blöße und brachten den deutlichen Auswärtssieg konsequent nach Hause. Maßgeblich dazu beigetragen hat Manú Tschur, der hier eindrucksvoll an beiden Geräten die Tageshöchstwertung erturnte (12,15 und 12,20 Punkte). Der Erfolg gewinnt zusätzlich an Wert, weil die Heckengäuer nicht in Bestbesetzung angetreten waren. Mit Yannick Kessler, Julius Hottmann, Yannick Kellenberger und Nick Ackermann fehlten vier wichtige Stammkräfte. Eine erkennbare Lücke entstand dennoch nicht. Das spricht für die Breite des Kaders und dürfte im weiteren Verlauf der Saison noch wichtig werden.

Manú Tschur blieb dieses Mal ohne Sturz beim Flugteil am Reck. Archiv-Foto: Matthias Blasberg

Aus der geschlossen starken Mannschaft ragte Adrian Dudev heraus. Der 23-Jährige sammelte 14 Scorepunkte und wurde Top-Scorer des Wettkampfs. Zum ersten Mal in der 3. Bundesliga durfte er das begehrte Trikot entgegennehmen. Dudev war der auffälligste Punktesammler einer Mannschaft, die ihren Sieg nicht auf einen einzelnen Glanzmoment stützte, sondern auf Stabilität an allen sechs Geräten. „Das war unser bester Wettkampf seit langer Zeit und wir freuen uns schon auf die Gäste vom TV Bühl am nächsten Wochenende“, sagte der sichtlich zufriedene Manú Tschur.

Freude beim Team. Foto: Florian Ludwig

Viel Zeit zum Feiern bleibt nicht. Bereits am Samstag, 10. Oktober 2026, um 16 Uhr empfängt die WTG in der Stadionsporthalle Renningen den TV Bühl. Die Zwetschgenstädter reisen mit einer makellosen Bilanz an. Zum Auftakt bezwangen sie die TG Wangen/Eisenharz mit 44:31, anschließend folgte ein 42:28 gegen die KTG Bodensee. Für die WTG wird das Heimduell damit zur nächsten Standortbestimmung. Die Frage lautet nun nicht mehr, ob die Heckengäuer einen schlechten Beginn abschütteln können. Nach dem 42:18 in Wangen geht es darum, diesen neuen Zustand zu bewahren.

Die Siegerehrung in der Ebnethalle in Wangen im Allägu. Foto: Gerhard Tschur