Ein Pflichtsieg mit Schönheitsfehlern

Die Drittligaturner der WTG Heckengäu leisteten sich am Samstag in der Renninger Stadionsporthalle gegen den USC München zwar einige Patzer, gewannen am Ende jedoch dennoch souverän mit 42:20. Mit 15 Scorepunkten wurde Manú Tschur zum Mann des Tages.

Es gibt Siege, bei denen am Ende alles funkelt. Und es gibt Siege, bei denen man anschließend zuerst über die Fehler spricht. Der 42:20-Erfolg der WTG Heckengäu gegen den USC München gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Gefährdet war der vierte Saisonsieg der Heckengäuer am Samstagnachmittag nie. Dafür war der Tabellenzweite dem Schlusslicht der 3. Bundesliga Süd insgesamt zu deutlich überlegen. Zufrieden konnten die Gastgeber mit ihrem Auftritt trotzdem nicht an jedem Gerät sein. Zwei Geräte gingen an die Münchner, am Reck wurde es zum Abschluss sogar noch einmal ziemlich ungemütlich. Was unter dem Strich blieb, war dennoch ein souveräner Erfolg und die Festigung des zweiten Tabellenplatzes bei einem Endstand von 42:20 und einem Geräteverhältnis von 8:4.

Gute Stimmung beim Team und den stolzen Einlaufkindern. Foto: Matthias Blasberg

Die Kulisse dafür stimmte. Unter viel Beifall liefen die Turner gemeinsam mit den Einlaufkindern auf die große Bodenfläche in der Stadionsporthalle Renningen. Gute Stimmung, gespannte Gesichter, ein klarer Favorit. Eigentlich war alles angerichtet für einen schwungvollen Beginn. Nur die WTG spielte zunächst nicht mit. Am Boden fanden die Heckengäuer nicht richtig in den Wettkampf. Lediglich Adrian Dudev und Fabian Moroff holten Scorepunkte. Der USC München nutzte die Gelegenheit und ging mit einem 6:4-Gerätesieg in Führung. Es war der gewohnt frühe Höhepunkt aus Sicht der Gäste, die vor dem Wettkampf selbst nicht mehr als den einen oder anderen Gerätepunkt als realistisches Ziel ausgegeben hatten.

Adrian Dudev kann am Boden kurz verschnaufen. Foto: Matthias Blasberg
Liebt Schrauben: Fabian Moroff. Foto: Matthias Blasberg

Lange durften sich die Münchner über ihren Vorsprung allerdings nicht freuen. Denn dann kam das Pauschenpferd. Ein Gerät, das Fehler selten verzeiht, wurde für die WTG zum Wendepunkt. Vor allem Manú Tschur zeigte, wie es geht. Seine 11,10 Punkte bedeuteten die höchste Wertung des Tages an diesem Gerät. Im direkten Duell mit Münchens Stephan Trattnig räumte er fünf Scorepunkte ab und hatte damit entscheidenden Anteil am 8:1 für die Gastgeber. Aus dem Rückstand war eine Führung geworden, aus dem holprigen Beginn ein Wettkampf nach WTG-Geschmack.

Florian Ludwig: Oben bleiben ist alles am Pauschenpferd. Foto: Matthias Blasberg
Höchste Konzentration für Manú Tschur am Pauschenpferd. Foto: Matthias Blasberg

An den Ringen blieb die Angelegenheit enger. Nick Ackermann und Florian Ludwig erhielten jeweils 10,60 Punkte. Ackermann gewann damit einen Scorepunkt, Ludwig teilte sich sein Duell. Wieder war es Tschur, der den Unterschied machte. Mit 11,15 Punkten setzte er sich gegen Paul Huber durch und sicherte der WTG den 4:3-Gerätesieg. Zur Pause stand es 16:10. Das war ein Vorsprung, aber noch keiner, auf dem man es sich bequem machen durfte.

Nick Ackermann vor seiner Ringekür. Foto: Matthias Blasberg
Starker Auftritt an den Ringen von Florian Ludwig. Foto: Matthias Blasberg
Manú Tschur war an den Ringen nicht zu toppen. Foto: Matthias Blasberg

Nach der Pause änderten sich die Kräfteverhältnisse schlagartig. Am Sprung zeigte die WTG jene Qualität, mit der sie schon in den vorherigen Wettkämpfen Eindruck hinterlassen hatte. Vier Duelle, vier Siege, 12:0 Scorepunkte. Adrian Dudev und Lovis Spiess steuerten jeweils vier Zähler bei, Luis Weiß holte drei, Fabian Moroff einen. Die Münchner konnten nur zuschauen. Und staunen.

Fliegen ist schön: Adrian Dudev. Foto: Matthias Blasberg
Freude beim ganzen Team über Lovis Spiess. Foto: Matthias Blasberg
Fabian Moroff setzt zur Landung an. Foto: Matthias Blasberg

Am Barren setzte sich dieses Bild beinahe nahtlos fort. Dudev, Spiess und Tschur entschieden ihre Duelle für sich und sammelten zusammen zehn Punkte. Nur Deniz Bulut musste gegen Tassilo Sans aus München einen Zähler abgeben. Vor dem letzten Gerät lautete der Zwischenstand 38:11. Der Wettkampf war entschieden. Der Arbeitstag aber noch nicht beendet.

Nochmal die Übung durchgehen: Deniz Bulut. Foto: Matthias Blasberg
Manú Tschur wurde Top-Scorer des Wettkampfes. Foto: Matthias Blasberg

Dass das Reck auch einen klaren Vorsprung noch gehörig durchschütteln kann, hatte die WTG bereits eine Woche zuvor gegen den TV Bühl erlebt. Damals war aus einem komfortablen Polster beinahe noch ein Nervenkrimi geworden. Dieses Mal reichten die Fehler nicht mehr aus, um den Gesamtsieg zu gefährden. Ärgerlich waren sie dennoch. Fabian Moroff und Lovis Spiess stürzten, Adrian Dudev brachte seine Übung nicht wie erhofft durch. Er verlor sein Duell gegen Stephan Trattnig, der bei seiner 200. Übung in der 3. Bundesliga einen makellosen Auftritt zeigte. Neun Scorepunkte gingen an die Gäste. Nur einer stemmte sich erfolgreich gegen den Münchner Schlussspurt: Manú Tschur. Seine schwierige und glanzvoll vorgetragene Kür mit ansehnlichem Flugteil brachte der WTG die einzigen vier Zähler am Reck. Trotzdem ging das Gerät mit 9:4 an den USC.

Höchstschwieriger Abgang vom Reck von Lovis Spiess. Foto: Matthias Blasberg
Auch wenn es mal nicht so läuft kann sich Adrian Dudev auf sein Team verlassen. Foto: Matthias Blasberg

Es passte zu diesem Nachmittag, dass ausgerechnet Tschur das letzte sportliche Ausrufezeichen setzte. Mit insgesamt 15 Scorepunkten wurde er Top-Scorer des gesamten Wettkampftages. Hinter ihm folgte sein Teamkollege Adrian Dudev mit elf Zählern. Die WTG hatte ihren vierten Saisonwettkampf mit einer veränderten Besetzung bestritten. Niccolò Spiess und Yannick Kessler fehlten, Kapitän Philipp Lutz turnte nur ein Gerät. Dass der Erfolg trotzdem zu keiner Zeit ernsthaft gefährdet geriet, spricht für die Breite des Kaders. Es war nicht der beste Wettkampf der Heckengäuer. Manche Übung wirkte weniger sicher als erhofft, mancher Fehler wird den betroffenen Turner noch ein wenig beschäftigen. Nur: Eine Spitzenmannschaft muss nicht immer glänzen, um deutlich zu gewinnen.

Manú Tschur (Mitte) wurde zum Top-Scorer gekürt. Foto: Matthias Blasberg
Danke! Das Publikum war großartig. Foto: Matthias Blasberg

Mit vier Erfolgen aus vier Begegnungen bleibt die WTG auf Rang zwei der 3. Bundesliga Süd. Vor ihr steht weiterhin nur die TG Allgäu. Der Tabellenführer gewann am Samstag bei der TG Wangen-Eisenharz mit 45:26. Beide Mannschaften treffen am Samstag, 7. November 2026, um 16 Uhr in der Stadionsporthalle Renningen aufeinander. Es könnte der große Showdown um die Südmeisterschaft werden.

Die Turner der WTG sind zufrieden mit dem Ergebnis. Foto: Matthias Blasberg

Vorher wartet auf die Heckengäuer allerdings noch eine Aufgabe, die nicht unterschätzt werden darf. Am kommenden Samstag, 24. Oktober 2026, tritt die WTG um 17 Uhr bei der KTV Hohenlohe in der Hohenlohe-Sporthalle in Öhringen an. Die Gastgeber stehen derzeit auf Tabellenplatz vier. Für die WTG ist es eine Pflichtaufgabe, wenn sie den Druck auf die TG Allgäu aufrechterhalten will.

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